Gesellschaftliche Veränderungen

Es tut sich viel: Die Lebenserwartung ist deutlich gestiegen, das Generationenverhältnis verschiebt sich, die Arbeitswelt verändert sich, aber auch unsere Art zu leben ist anders geworden. All das fordert zur Gestaltung von Gegenwart und Zukunft heraus.

Die Lebenserwartung ist deutlich gestiegen

Menschen leben heute länger als je zuvor. Statistisch gesehen war das Älterwerden noch nie so sicher. Wer heute geboren wird, hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von über 80 Jahren (Männer: 78,5; Frauen: 83,3; Quelle: Destatis PM Nr. 427, 5.11.2019). Seit Einführung der Rentenversicherung im Jahr 1889 hat sich die Lebenserwartung quasi verdoppelt. Grund dafür sind die verbesserten Hygieneverhältnisse, der medizinisch-technische Fortschritt, eine gesündere Lebensführung, gestiegener Wohlstand, Bildung und andere Arbeitsbedingungen sowie – Gott sei Dank – eine lange Zeit des Friedens in Europa. Eine neue Lebensphase – das „dritte Lebensalter“ – ist dazugekommen.

Neben der Tatsache eines deutlich längeren Lebens gesellt sich, dass die Geburtenrate seit den 1970er Jahren konstant niedrig ist. Beide Phänomene tragen gleichermaßen zum demographischen Wandel bei und bewirken ihn.

Arbeitsleben und soziale Sicherungssysteme

Die gesellschaftlichen und demographischen Veränderungen haben Auswirkungen auf unser Arbeiten und auf die sozialen Sicherungssysteme. In Betrieben steigt das Durchschnittsalter der Belegschaft. Alternsgerechte Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Stellen können nicht besetzt werden. Es gibt Fachkräftemangel.

Das Renteneintrittsalter wird schrittweise auf 67 Jahre angehoben – und doch liegt es derzeit durchschnittlich bei 64,1 Jahren (Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund: Rentenversicherung in Zahlen 2019, S. 68). Nur ein Drittel der Erwerbstätigen geht zum gesetzlich festgelegten Zeitpunkt in die Nacherwerbszeit (Quelle: ebd, S. 63).

Es gibt auch einige, die bereits heute länger arbeiten; sei es, weil sie Freude daran haben oder sie ihren Lebensstandard halten möchten. Andere engagieren sich nach dem Beruf ehrenamtlich und bringen dort ihre Kompetenzen ein. Eine steigende Zahl Älterer hat auch nach dem Renteneinstieg noch einen Job, weil die Rente allein zum Leben nicht reicht. In den kommenden Jahren wird die Altersarmut deutlich ansteigen. Die Finanzierung der Pflege braucht neue Impulse.

Und so beginnt das Abenteuer in der Arbeit mit Älteren ...

Foto: WanderLabs | Unsplash

Die neue Art zu leben

Unsere Art zu leben hat sich sehr gewandelt. Individualisierung wird groß geschrieben, Lebenslagen sind vielfältig geworden. Familien wohnen oft weit auseinander. Der familiäre Zusammenhalt ist hoch, muss aber räumliche Distanzen überwinden. Mobilität und andere Kommunikationsformen sind gefragt. Die Zahl der Einpersonenhaushalte ist hoch. Ältere suchen nach neuen Wohnformen. Die Generation „Babyboomer“ ist aus früheren Zeiten WG-erfahren. Die meisten wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen. Wer seine sozialen Kontakte im Älterwerden nicht pflegt, droht aus dem Netz oder in die Einsamkeit zu fallen.

Miteinander den Wandel gestalten

Die Vielfalt des Alterns und dessen, was damit zusammenhängt, macht das Ganze zu einem Querschnittsthema, das nur gemeinsam angepackt und zu Lösungen geführt werden kann. Die großen Themen dieses Jahrzehnts können mit „DD“ abgekürzt werden: Demographischer Wandel und Digitalisierung.

All das sind Herausforderungen, die gestaltet werden wollen. Zu jeder Zeit waren Menschen gefragt, Antworten auf neue Verhältnisse zu finden. Das ist das Leben und so entwickeln sich Gesellschaften und die Welt. Die gewonnenen Jahre sind ein Geschenk. Die Situation mit all ihren verschiedenen Aspekten und Veränderungen stellt nicht nur vor Herausforderungen, sondern bringt auch viele Chancen.

► Wir als Fachstelle Alter der Nordkirche sind vor mehr als zehn Jahren mit dem Slogan „Den Wandel gestalten“ an den Start gegangen. Den Wandel zu gestalten sehen wir als unsere Kernaufgabe. Dies ist ein positiver Zugang. Wir wollen die Chancen und Möglichkeiten aufzeigen, kommunizieren, begleiten und fördern, ohne die gesellschaftlichen Herausforderungen und die möglichen Einschränkungen, die besonders im hohen Alter auftreten, aus dem Blick zu verlieren.